Botanischer Garten Berlin

Privates Bild: Durch die Rosenlaube schreiten.

Ein botanischer Garten unterliegt demselben Prinzip wie ein Zoo(logischer Garten): Nicht kleckern, sondern klotzen. Und nicht nur Bildung, sondern auch Erholung. Der Belebungsgrad der heimischen wie fremdländischen Exponate ist nicht das einzige Unterscheidungsmerkmal zwischen einem zoologischen und einem botanischen Garten. Während die Tiere meist von freudejauchzenden Kindergruppen auf Wandertag umringt werden, posieren die prächtigsten Pflanzen ungefragt (!) als Stillleben für malerisch ambitionierte Pensionäre. Der Botanische Garten Berlin bildet da keine Ausnahme.

Die fürstlichen Obst- und Küchengärten Europas, die nach dem Vorbild klösterlicher Kräutergärten entstanden, wurden in der frühen Neuzeit erstmals um nicht-einheimische Pflanzensammlungen bereichert. So gehörte Berlins erster „Botanischer Garten“ im engeren Sinne ab dem Jahr 1573 zum Berliner Stadtschloss. Doch lassen sich Äpfel schlecht mit Birnen vergleichen: Berlins erster weltweit anerkannter Botanischer Garten mit wissenschaftlichem Anstrich entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts an der Stelle des heutigen Heinrich-von-Kleist-Parks. Erst war es das Paradies auf Erden, doch die Industrialisierung behinderte die Bienchen und Blümchen zusehends, also wanderten die Gewächse über Stock und Stein zur Königlichen Domäne Dahlem, um auf einem ehemaligen Kartoffelacker ihre Wurzeln zu schlagen. Noch vor der offiziellen Eröffnung im Jahr 1910 zog der Blütenzauber mehrere Tausend Gäste an! Nur eine Generation später kehrten die Freiflächen zurück zu ihren Wurzeln, denn nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie von den Alliierten bis zum Ende der Berlin-Blockade zum Gemüseanbau freigegeben. Der vollständige Wiederaufbau der Anlage, einschließlich des Museums, zog sich bis ins Jahr 1987 und wurde in der Mitte der 1990er-Jahre an die Freie-Universität-Berlin als fakultätsunabhängige Zentraleinrichtung unterstellt. Beinahe hätte die Anlage vor ihrem 100-jährigen Jubiläum ins Gras gebissen, denn dass ihre Pflege reichlich Moos kostet, war dem Berliner Senat ein Dorn im Auge. Anstatt Süßholz zu raspeln, wollte man Erbsen zählen und den Botanischen Garten Berlin im Frühjahr 2003 fallenlassen wie eine heiße Kartoffel. Erst schien Hopfen und Malz verloren und nicht nur die Mitarbeiter saßen wie auf Nesseln. Doch, Pustekuchen! Unkraut vergeht nicht! Man ließ sich nicht verkohlen, nahm kein Blatt vor den Mund und sammelte 78.000 Unterschriften zum Erhalt der Anlage.

Zu dieser Jahreszeit steht der Botanische Garten in voller Blüte und lockt außer mit der alljährlichen Botanischen Nacht auch mit chinesischen Zwergwachteln ins Tropenhaus – ihre frisch geschlüpften Küken sind gerade so groß wie Hummeln. Ohne den Ort über den grünen Klee zu loben, lohnt ein Besuch. Wo sonst kann man sich buchstäblich auf Rosen betten?

Weiterführende Links:

Internetseite des Botanischen Gartens Berlins: http://www.bgbm.org/ (Zuletzt aufgerufen und verwendet am 06.06.2019).

Der Beitrag verwendete allerlei Redewendungen. Für eine umfangreiche Übersicht empfehle ich den Beitrag „‘Botanische‘ Phraseologie“ von Manfred Hesse (Veröffentlicht in der Zeitschrift für Didaktik für Botanik, Nummer 13 im Jahr 2004, S. 55-102), ab der Seite 64: zdb.uni-bielefeld.de/index.php/zdb/article/download/165/161 (Zuletzt aufgerufen und verwendet am 06.06.2019).

Der scherzhafte Beitrag basiert auf den Eindrücken persönlicher Besuche sowie eigener Internetrecherchen, einschließlich auf der Wikipedia-Plattform.

Ein Kommentar zu „Botanischer Garten Berlin

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