Erica Feldmanns „Mein magisches Heim“

Inspiriert von dem Ratgeber: Holztisch, Rosensträußchen, Kerzengedeck und eine Amethyst-Kette. Private Aufnahme.

Unlängst erhielt ich auf dem angespannten Berliner Wohnungsmarkt wie durch ein Wunder eine Wohnungszusage! Mit Köpfchen geschnitten und lichtdurchflutet versprühen die Räume eine einladende Atmosphäre, die alle bisherigen Gäste gewürdigt haben. Es gilt nun, diese Atmosphäre dauerhaft zu schützen und meine neue Bleibe in ein richtiges Zuhause zu verwandeln!

Wer nicht an Schicksal glaubt, wird darüber schmunzeln, dass mir zeitgleich mit der Wohnungszusage folgender Inneneinrichtungs-Ratgeber in die Hände fiel: „Mein magisches Heim – Hexenwissen für ein harmonisches Zuhause.“ Da ich aus einer Familie komme, in der der slawischer Aberglaube und seine Bräuche üppige Blüten tragen, war ich neugierig auf Rituale aus der Feder der deutschstämmigen US-Amerikanerin Erica Feldmann.

Feldmann ist die Gründerin und Inhaberin von HausWitch, einem Unternehmen, das Menschen hilft, ihre Räumlichkeiten zu heilen, wobei die Einrichtung des lieb gewonnenen Zuhauses oft mit kleinstem Budget erfolgt. Auch mein Budget erlaubt keinerlei Dekadenz, sodass ich umso erstaunter feststellte, dass „magische“ Einrichtung oftmals reine Kopfsache ist.

Fragwürdige Hexerei?

Den Buchkapiteln zu den Phasen der Zuhause-Werdung ist ein „Hexen-Einmaleins“ vorangestellt. Heilsteine, Tarot, Astrologie und Kräuterpflanzen dürften den meisten zumindest namentlich geläufig sein. Doch wer hätte gedacht, dass die Mondphasen nicht nur die Gezeiten und das weibliche Gemüt beeinflussen, sondern auch energetisch genutzt werden können, um neue Projekte anzufangen und abzuschließen!?

Dieses insgesamt informative, aber stellenweise nicht ganz überzeugende „Hexen-Einmaleins“ leitet die Autorin ein mit einer Ermahnung über die „kulturelle Vereinnahmung esoterischen Wissens“. Demnach übernehmen Vertreter einer dominanten (westlichen) Kultur willkürlich magische Praktiken aus anderen religiösen und spirituellen Kulturen, „oftmals ohne das richtiges Verständnis für die Gesamtheit der komplexen Glaubenssysteme zu besitzen“ (S.27).

Dieses Problem wird zwar als potentiell rassistisch und schädlich benannt, doch selbst Feldmann, die ein Konglomerat von Praktiken aus unterschiedlichsten Kulturkreisen präsentiert,  bietet dafür keine Lösung. Es drängt sich die Frage auf, warum stets (fern)östliche oder indigene Kulturen für „Hexenwissen“ herhalten müssen. Und hätte Erica Feldmann als deutschstämmige US-Amerikanerin nicht die germanischen Kulturtraditionen durchforsten können, um das angesprochene Problem wenigstens für ihren Kulturkreis befriedigend zu lösen?

Phasen der Zuhause-Werdung

Trotz konzeptioneller Bedenken leitet die Autorin mit Ruhe und Gelassenheit durch die sechs zentralen Buchkapitel: Manifestieren, Reinigen, Schutz, Behaglichkeit, Harmonie und Balance.

„Manifestieren“ handelt von der Suche nach dem perfekten Zuhause – mit der Kraft der Gedanken und unterstützt durch rituelle Handlungen oder Horoskop-Befragungen. Bei der Lektüre sann ich darüber, wie ich mir meine Traumwohnung einen Monat lang intensiv vorstellte und sie mir in ihren Grundzügen erfolgreich herbeisehnte. Es erscheint naiv zu glauben, dass man auf einem angespannten Wohnungsmarkt überhaupt eine Auswahl hat. Allerdings hatte ich nicht nur eine Auswahl, sondern erzielte auf Anhieb einen Glückstreffer. Somit kann es zumindest nicht schaden, sich sein Wunschobjekt möglichst klar vor Augen zu halten.

„Reinigen“ handelt vom physischen Entrümpeln, das man ruhig häufiger als nur beim alljährlichen Frühjahrsputz durchführen sollte, und von der energetischen Reinigung. Energetische Reinigung kann durch Musik, Pflanzen, Räucherwerk und selbst durch simples Lüften gelingen. Beim Einzug spürte ich keinerlei „Altlasten“ der Vormieter und war zufrieden mit mir selbst, kurz vor dem hektischen Umzug noch allerlei Klimbim entsorgt und Bücher zu Büchertauschregalen bugsiert zu haben.

„Schutz“ handelt von Meditationsübungen und Ritualen mit Kräutern, die den Raum vor negativen Energien abschirmen. Wie gesagt, komme ich aus einer Familie voll von slawischem Aberglauben. Dort kümmert man sich (symbolisch) um seinen eigenen Hausgeist, damit er das Haus vor bösen Geistern, Streit und jedwedem Chaos behütet. Doch wenn im Haus einmal unerklärliche Geräusche ertönen, so randaliert er, weil ihm die Unordnung missfällt. Da ist schnelles Handeln angesagt, damit der Hausgeist keine Streiche spielt!

„Behaglichkeit“ handelt davon, sein Zuhause mit allen Sinnen zu spüren: Schmecken mit Familienrezepten, Fühlen mit glatten oder flauschigen Einrichtungsmaterialen, Riechen mit vertrauten Düften, Hören mit angenehmer Hintergrundmusik und Sehen mit unaufdringlicher Beleuchtung anstatt mit sterilen Deckenlampen. Einzig der Verzicht auf Deckenlampen läuft mir persönlich zuwider, da bei mir erst seit kurzem ein prächtiger Kronleuchter die Wohnzimmerdecke ziert.

„Harmonie“ handelt von der Kommunikation mit und Grenzziehungen gegenüber Mitbewohnern (einschließlich Haustieren) sowie Wegen zur Kombination selbst gegenläufiger Einrichtungsstile. In meinem Fall war es wohl Glück (oder doch Schicksal?), dass sich Sterilität und gutbürgerlicher Stil ideal ergänzen!

„Balance“ schließlich handelt von Meditationsarten, Symmetrie in der Einrichtung und den richtigen Zimmerpflanzen zum Erhalt jener Atmosphäre, die eine herzlose Bleibe zu einem gemütlichen Zuhause aufwerten. Damit schließt sich der Kreis…

Hex-hex! Mecker-meck!

Störend war für mich, eingangs über die Problematik kultureller Aneignung zu erfahren und sodann meist völlig unreflektierte Anleitungen zu Praktiken fremder Kulturräume vorzufinden. Ich bleibe dabei, dass nicht immer fernöstliche oder indigene Kulturen für okkultes Wissen herhalten müssen.

Hex-hex! Wisch und weg!

„Mein magisches Heim“ ist ein ungewöhnlicher und prächtig bebilderter Ratgeber für kostengünstige Inneneinrichtungen mit Köpfchen. Dabei ist „Aberglaube“ der falsche Begriff für die Zielgruppe: Wer sensibel auf seine Umwelt reagiert und auch sonst rituelle Handlungen zur Verstärkung seiner Gedanken benötigt, findet in diesem Buch allerlei Anleitungen.

Je nach Empfindung sind manche Angebote ansprechender als andere – so werde ich mir im Anschluss an die Lektüre eine ansehnliche Schale besorgen und mit Heilsteinen füllen, aber vermutlich niemals konsequent auf die Mondphasen achten, um irgendwelche Angelegenheiten zu regeln. In jedem Fall bietet Erica Feldmann eine wertvolle Inspirationsquelle, um auch innerhalb seines eigenen Kulturkreises nach „Hexenwissen für ein harmonisches Zuhause“ Ausschau zu halten.

Erica Feldmann: Mein magisches Heim. Hexenwissen für ein harmonisches Zuhause. Aus dem amerikanischen Englisch von Angelika Hansen. Die amerikanische Originalausgabe erschien 2019 unter dem Titel „HausMagick“. 1. Auflage 2019 der deutschsprachigen Ausgabe by Irisiana Verlag, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH.

Das Buch wurde mir dankenwerterweise als kostenloses Rezensionsexemplar von der Verlagsgruppe Random House GmbH zur Verfügung gestellt.

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