Felicitas Hoppes „Grimms Märchen für Heldinnen von heute und morgen“

Blumen sagen mehr als Tausend Worte: Wertschätzung im Gestalt meines frauentäglichen Blumenstraußes! Private Aufnahme.

Anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März würdige ich die Zusammenstellung Grimm’scher Märchen durch die deutsche Schriftstellerin  Felicitas Hoppe: „Grimms Märchen für Heldinnen von heute und morgen“ (2019).

Bei der Frankfurter Buchmesse 2019 erzählte Felicitas Hoppe im Interview bei „Das Blaue Sofa“, was sie persönlich an Märchen begeistert. Denn Märchen bilden das gesamte Spektrum menschlicher Charaktere und Widersprüche ab, gleichzeitig versuchen sie der Grausamkeit unseres Lebens etwas Schöneres entgegenzustellen.  

Dabei seien Märchen weder eine Anleitung zum politischen Umsturz noch ein reines Erziehungsprogramm: „Wer Märchen liest, wird eigentlich Anarchist“, meint Hoppe, obwohl sie betont, dass Märchenhelden nach einem besseren Leben streben ohne die gesellschaftliche Struktur infrage zu stellen – das widerspricht meinem Verständnis von Anarchismus.

Schließlich – und damit geht es zurück zum Frauentag als dem feierlichen Anlass dieser Buchbesprechung – seien Märchen laut Felicitas Hoppe „ein Fundus für unsere Genderdebatten“. Denn bei den ständig stattfindenden Verwandlungen ständen vor allem Identitätsfragen im Raum: wer bin ich und wer will ich sein?

In diesem Sinne versammelt Felicitas Hoppe 30 Grimm’sche Märchen unter den Kapiteln „Schönheit“, „Klugheit“, „Mut“, „Handwerk“ und „Verwandlung“, um die hervorstehenden Zauberkräfte weiblicher Protagonistinnen zu würdigen. Mit dabei sind die üblichen Verdächtigen wie Aschenputtel, Schneewittchen, Rapunzel und Dornröschen, aber glücklicherweise auch inzwischen weniger bekannte Erzählungen wie „Die Gänsemagd“ oder „Brüderchen und Schwesterchen“ sowie völlige Exoten wie „Das Waldhaus“, „Das Meerhäschen“ oder „Allerleirauh“.

Als Herausgeberin wird Hoppe sämtlichen fünf Kapitelüberschriften gerecht. Denn sie würdigt die Schönheit der ungekürzten Märchenfassungen (Ausgabe letzter Hand), fördert die Klugheit der Zuhörer, indem sie sie mit literarischen Klassikern vertraut macht, beweist Mut durch die überwiegende Auswahl unbekannterer Märchen (freilich ließen sich noch Texte wie „Frau Holle“ oder „Marienkind“ hinzufügen), ehrt ihr schriftstellerisches Handwerk durch einen ebenso anregenden wie ästhetisch gelungenen Essay anstelle einer Einleitung, und ermutigt schließlich die Zuhörer zur eigenen Verwandlung, ganz im Sinne der Frage: wer bin ich und wer will ich sein?

Diese Frage brauchen sich Frauen nicht nur am 8. März zu stellen. Es muss nicht erst auf den Frauentag gewartet werden, um sich Aufmerksamkeit und Anerkennung zu verschaffen. Wir alle können einen Beitrag dazu leisten, unsere Mitmenschen grundsätzlich mehr wertzuschätzen.

Wertschätzung in Wort und Tat ist nämlich ein hervorstehendes Merkmal der meisten Heldinnen in den von Felicitas Hoppe ausgewählten  Märchen. Die erfolgreichen Frauen sind meistens tugendhaft, selbstlos und fleißig. Erst wenn sie ihre Ziele nicht mit Freundlichkeit erreichen können, greifen sie zu allerlei Schabernack.

Auf dass sich nicht nur die weiblichen Zuhörer eine Scheibe von der Neigung zur Wertschätzung abschneiden und wir alle unseren Beitrag zu einer gerechteren Welt leisten!

Grimms Märchen für Heldinnen von heute und morgen. Ausgewählt und mit einem Essay von Felicitas Hoppe. Bebildert von Rosa Loy. Stuttgart: Reclam 2019.

P.S.: Das Buch war ein Weihnachtsgeschenk meiner lieben Großmutter! Auf die Buchbesprechung wartete ich allerdings bis zum Weltfrauentag 2020!

P.P.S.: Wusstet ihr, dass der erste Frauentag am 19. März 1911 stattfand? Seit 1921 wird er am 8. März gefeiert und etwa bei Nachfahren in und aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion ist es üblich, den Frauen einen Strauß Blumen zu schenken.

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