Angeline Bauers „Heilende Märchen“

Behaglichkeit in einem Bild: Das Buch „Heilende Märchen“ (Frontansicht) und der geräumige Sorgenfresser, den mir meine Mutter einst von Hand nähte. PRIVATES BILD.

Das ultimative Erziehungsziel ist ein selbstbewusstes und selbständiges Kind. Dass Märchen dabei auf vielfache Weise Hilfestellungen bieten, zeigt Angeline Bauer überzeugend auf – mir persönlich brauchte sie nichts mehr zu beweisen und doch tut es gut, die eigene Meinung bestätigt zu sehen.

Bauer ist psychologische Beraterin und ihr märchenhafter Erziehungsratgeber mit dem Titel „Heilende Märchen“ wirbt auf dem Umschlag mit „Geschichten, die Kinder stark machen“ und „Märchen gegen Kinderängste und –sorgen, damit das Selbstbewusstsein wächst“. Zugegeben, beim ersten Durchblättern war ich skeptisch. Zu tief saß noch die Enttäuschung über die suboptimal umgesetzte „Märchen-Apotheke“ von Stephanie zu Guttenberg.

Doch anders als zu Guttenberg suggerieren Bauers „Heilende Märchen“ eben KEINE Blitzlösung für ein konkretes und nur auf einen Bruchteil aller Leser zutreffendes Problem. Stattdessen widmen sich Bauers Märchen den grundsätzlichen und überzeitlichen Fragen nach Ängsten, Liebe und Hass, Leben und Sterben, Freundschaft, Geiz, Versprechen, Behinderung, Stärke, Geschwister, Stiefgeschwister sowie Geduld und innere Stärke.

Jeder Themenkomplex besteht aus einer allgemeinen Einleitung und subtilen Erziehungshinweisen bzw. Fehlern, die Eltern im Umgang mit diesen Themen durch relativ simple Angewohnheiten vermeiden können. Solchen Begrüßungsabschnitten folgt jeweils eine inhaltliche  Zusammenfassung der zwei oder gar drei anschließenden Märchen samt ihrer tiefenpsychologischen Deutung.

Dabei sind bei den Märchen keineswegs nur die üblichen Verdächtigen aus Grimms Sammlung oder Andersens Feder dabei. Die Märchen stammen aus aller Herren Länder und laden ein, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und menschliche Gemeinsamkeiten jenseits kultureller Grenzen zu entdecken.

Mein persönlicher Nutzen aus dem märchenhaften Erziehungsratgeber

Als junge Frau mit mittelfristigem Kinderwunsch ist es für mich reizvoll, bereits vorab Inspiration zur Kindererziehung und ihren Fallstricken zu sammeln. Doch auch Eltern mit Kindern im besten Märchen-Alter von etwa fünf Jahren oder darüber hinaus können sich in diesem liebevoll und zugleich zurückhaltend gestalteten Ratgeber wertvolle Anregungen holen.

So war für mich eine besondere Erkenntnis, dass man Kindern die Angst vor Monstern nicht dadurch nimmt, dass man deren Existenz leugnet. Denn so stünde das Kind, das erst ab einem gewissen Alter zwischen Traum und Wirklichkeit bewusst unterscheidet, als Lügner da und fühlte sich allein gelassen. Sinnvoller ist es, nach dem Monster zu fragen und mit viel Geduld den eigentlichen Sorgenherd dahinter aufzuspüren und anzugehen. Einen Gesprächszugang bieten hierbei zwei für mich bislang unbekannte Märchentexte.

Des Weiteren fand ich es im Kapitel zum Thema „Leben und Sterben“ erschreckend, welch großes Tabu der Tod in unserer Gesellschaft darstellt. Beim Lesen des Einleitungsteils schüttelte ich nur verwundert mit dem Kopf darüber, welche Anstrengungen Eltern bisweilen unternehmen, um ihren Kindern „Leid zu ersparen“ und dabei nur größeres Unheil anrichten, da Kindern als Reaktion darauf Phobien wie eine panische Angst vor dem Tod entwickeln können. Um eigene Hemmungen zu überwinden, bietet Bauer gleich zwei Märchen zum behutsamen Umgang mit dem natürlichen Kreislauf des Lebens.

Schließlich berührte mich das Thema Geschwisterrivalitäten, sowohl zwischen Blutsverwandten als auch zwischen Patchwork-Stiefgeschwistern. Kann es einen besseren Rat geben, als die älteren Kindern durch Zärtlichkeiten wie Kraulen der eigenen Liebe zu versichern? Oder dass man sich niemals vornehmen darf, auf Teufel komm raus einen fremden Elternteil zu ersetzen?

Zwischenmenschliche Beziehungen müssen geduldig aufgebaut und anschließend gehegt und gepflegt werden. Das vermitteln Angeline Bauers Märchen nicht nur an die Kindern, sondern ganz nebenbei auch an die Erwachsenen, die sich stets ihrer Vorbildfunktion bewusst sein müssen!

Angeline Bauer: Heilende Märchen. Geschichten, die stark machen – Märchen gegen Kinderängste und –sorgen, damit das Selbstbewusstsein wächst. Erschienen im Jahr 2015 beim Südwest Verlag, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House.

P.S.: An dieser Stelle danke ich der Verlagsgruppe Random House herzlich für das bereitgestellte Rezensionsexemplar! Ich habe die Lektüre sehr genossen und hoffe, sie nicht nur weiterempfehlen sondern auch die Inhalte erfolgreich an die nächste Generation weiter vermitteln zu können!

Ein Kommentar zu „Angeline Bauers „Heilende Märchen“

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