Serena Valentinos „Das Biest in ihm“

Frontalansicht des malerischen Bucheinbands. Private Aufnahme

In meiner Kindheit war „Die Schöne und das Biest“ einer meiner liebsten Zeichentrickfilme. Vor allem der intime Tanz im Ballsaal hatte es mir angetan, sodass mein Herz jedes Mal blutete, wann immer Belle aufbrach und das trauernde Biest zurückließ. Bis heute bekomme ich feuchte Augen, wenn sich das sterbende Biest im letzten Augenblick in einem Menschen zurückverwandelt!

Doch wie kam das Biest zu seiner Gestalt? Am Filmanfang ist die Rede von einer Bettlerin, die sich als Zauberin entpuppt und den schönen Prinzen für seine Herzlosigkeit verflucht. Diese Strafe erschien mir schon damals unverhältnismäßig. Nun liefert Serena Valentinos Fortsetzungsroman der Disney-Villains-Serie endlich die lang ersehnte Erklärung.

„Das Biest in ihm“ handelt von der quälend langsamen Verwandlung eines Herzensbrechers in etwas, das sein Inneres nach außen kehrt. Diesen Fluch erlegte ihm seine Verlobte auf, nachdem der Prinz sie aufgrund von Oberflächigkeiten verstieß und öffentlich demütigte. Seine ehemalige Verlobte aber ist die kleine Schwester jener drei grausigen Hexen ist, die während der gesamten Villains-Serie Intrigen spinnen. Schon im Vorgängerroman „Die Schönste im ganzen Land“ stürzten diese drei Hexen Schneewittchens Stiefmutter buchstäblich ins Verderben.

Doch wie bei der bösen Königin war auch die Verwandlung des Biests ein schleichender Prozess. Davon, wie der verzauberte Prinz den Fluch abzuwenden sucht, handelt der größte und leider auch langatmigste Teil des Buchs. Auf einem königlichen Ball mit allen heiratsfähigen Mädchen des Landes erwählt sich der Prinz die schönste Königstochter unter der Sonne zur Braut. Nur wird die Verlobungszeit zur Tortur, sowohl für die psychisch misshandelte Prinzessin als auch für den mit einer raschen Handlungsdynamik verwöhnten Leser.

Diese Episode entpuppt sich als denkbar plumper Befreiungsversuch und nun schließt sich der Kreis zum Anfang des Buchs, das mit Belles Gefangennahme im Schloss beginnt. Hier klärt sich endlich, wie das Biest Belle so schnell vor den Wölfen retten konnte und in welcher Beziehung das Biest einst zum rüpelhaften Gaston stand. Auch die ehemalige Verlobte des Prinzen greift am Ende überraschend in die Handlung ein und entpuppt sich als starke Widersacherin ihrer drei boshaften Hexengeschwister.

Unterm Strich war die Hintergrundhandlung des Buchs bei den Hexen spannender als die Biest-Werdung von Belles Prinzen. Denn es gab zahlreiche Überleitungen zum Nachfolgeroman über die Seehexe Ursula aus dem Leben von Arielle der Meerjungfrau. So hatte die langatmige Handlung doch etwas Gutes, denn meine Zuversicht ist zurückgekehrt!

Serene Valentino: Das Biest in ihm. Erschienen auf Englisch im Jahr 2016, übersetzt von Ellen Flath und veröffentlicht im Carlsen-Verlag im Jahr 2019.

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