Denise Bormann-Ervens „Adwoa – Das schwarze Einhorn“

Der Buchumschlag zeigt die heimliche Heldin des Buchs: das schwarze Designer-Häkel-Einhorn Adwoa (gesprochen: Adschoa). Private Aufnahme.

Vor gar nicht so langer Zeit noch stöhnte die Menschheit unter der Weltherrschaft der Einhörner. Seit sich die erste Aufregung gelegt hat, wächst kontinuierlich mein persönliches Interesse – und prompt gewinne ich bei Lovelybooks ein Rezensionsexemplar von „Adwoa – Das schwarze Einhorn“!

Offen gesagt lese ich die Ankündigungstexte nur einmalig bei der Bewerbung auf die Leserunde, um mir sicher zu sein, dass es zu meinen persönlichen Interessen passt. Im Gewinnfall weiß ich dann schon, dass ich nichts verkehrt gemacht habe. So gehe ich stets unvoreingenommen an die Lektüre und ließ mich auch bei „Adwoa“ einfach überraschen.

Überraschend war es dann in jeder Hinsicht, denn das Kinderbuch beginnt mit einem unangepassten Mädchen namens Jola, deren Hobbys gar nicht so recht zu ihren modischen Mitschülerinnen passen wollen. Das weiß man in dem Moment, als Jola anstatt des erhofften Skateboards ein gehäkeltes Designer-Einhorn zum Geburtstag geschenkt bekommt. Bei ihren Altersgenossinnen ist das zurzeit der allerletzte Schrei, doch Jola pfeffert ihr Einhorn in die allerletzte Ecke. Was haben sich ihre Großmutter und Schwester nur dabei gedacht?

Anfangs meinte ich, dass die Beweggründe für so ein mädchenhaftes Geschenk darin lagen, die Außenseiterin Jola an ihre Altersgenossinnen heranzuführen. Doch dann stellt sich heraus, dass das ungeliebte Geburtstagsgeschenk dazu anmahnen soll, für neue Erfahrungen offen zu sein.

Für ihre 13 Jahre ist Jola sehr reif und kontrolliert auch ihre Gefühle in einem gesunden Maße. Denn als sie beim Besuch ihres geliebten Mittelaltermarkts ein Mädchen mit einer weithin sichtbaren Behinderung antrifft, behandelt Jola es wie einen normalen Menschen und tut ihm unerwartet einen großen Gefallen.

Erst bleibt ihr das Mädchen Sontje nur im Gedächtnis, weil es ein sehr aufsehenerregendes Häkel-Einhorn besitzt. Doch als sich herausstellt, dass Sontjes Schwester ein Mädchen ist, gegen das Jola zunächst Vorurteile hegte, brechen alle Dämme und selbst das ungeliebte Einhorn-Geburtstagsgeschenk gewinnt einen Platz in Jolas Herzen…

Um bloß nicht das eigene Lesevergnügen zu trüben, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ins Detail gehen. Doch wenn ich die Botschaft des Buchs in ein bis zwei Sätzen zusammenfassen müsste, fiele meine Wahl auf die Worte des französischen Literaten Antoine de Saint-Exupéry: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Unterm Strich ist Denise Bormann-Ervens „Adwoa – Das schwarze Einhorn“ ein erstaunliches sowie sprachlich einwandfreies Kinderbuch über Werte wie Offenheit, Freundschaft und Mut. Auf unterhaltsame Art vermittelt die Geschichte mehr über Inklusion und Zusammenhalt als so manche pseudopädagogische Team-Building-Maßnahme aus der Schulzeit. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Buch, das als Herzensprojekt einer Hobby-Autorin begann, einst den Weg in die Schullehrpläne vieler Bundesländer findet. Zwar ist Bildung Ländersache, doch Nächstenliebe und Zusammenhalt, wie sie bei „Adwoa“ vermittelt werden, gehen jeden in der Gesellschaft etwas an.

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