Serena Valentinos „Die Einsame im Meer“

Wenn Schlagfertigkeit eine bloße Fassade ist… Serena Valentinos „Die Einsame im Meer“. Privates Bild.

In Fan-Fiction-Foren las ich einmal die These, dass König Triton und die böse Seehexe Ursula aus Disneys „Arielle, die Meerjungfrau“ in einer engen verwandtschaftlichen Beziehung zueinanderstehen müssen.

Warum sonst hätte Ursula im Palast gelebt und wäre, wie sie sagte, verbannt und vertrieben worden und sei „buchstäblich am Verhungern“? Von eben diesem Konflikt zwischen Bruder und Schwester handelt der dritte Teil von Serena Valentinos Buchserie der Disney-Bösewichte.

Stille Wasser sind tief

Die Seehexe Ursula wirkt nach außen selbstbewusst und humorvoll. Darum fühlen sich auch die drei Hexen Lucinda, Martha und Ruby, die in allen Büchern heimlich die Schicksalsfäden spinnen, zu dieser tentakeligen Kreatur hingezogen. Tatsächlich trägt Ursula einen unbändigen Kummer und Hass in sich.

Verraten, vertrieben und von allen verhasst. Mit zwei Ausnahmen: Jener Fischer, der seinen „Schatz aus dem Meer“ aufzog wie sein eigen Fleisch und Blut, und Tritons herzensgute Ehefrau Athena. Nur dass beide viel zu früh das Zeitliche segneten und Ursula ohne jeden seelischen Rückhalt zurückließen.

Ohne jeden Schutz vor ihrem älteren Bruder sei sie das Produkt seiner Taten und seines Perfektionismus. Zur Rache an all diesen Ungerechtigkeiten heckt die verzweifelte Seehexe einen Plan aus, der – wie wir wissen – sie letztlich selbst zugrunde richten muss. Ähnlich Schneewittchens Stiefmutter in „Die schönste im ganzen Land“

Seekrank

Ursulas Plan ist so komplex, dass das nur 194-seitige Buch auf gleich fünf Handlungsebenen spielt. Dass man da nicht den Überblick verliert und von dem Gewusel seekrank wird!

Erstens gibt es die Umtriebe der Seehexe, die sie zu den drei verdrehten Hexenschwestern führen. Zweitens die Unternehmungen der drei Hexenschwestern, um ihre verlorene Schwester Circe – die Zauberin aus „Das Biest in ihm“ – wiederzufinden.

Drittens die Suche der Ex-Verlobten des Biests (Prinzessin Tulip) und ihrer Nanny nach Circe. Viertens Prinzessin Tulips Chance auf eine neue, wahrhaftige Liebe.

Schließlich der bekannte Handlungsstrang aus dem Zeichentrickfilm, der in Deutschland aus für mich unerklärlichen Gründen in zwei Synchronfassungen existiert, nämlich von 1990 und 1998.

Wasser vergisst nicht

Meiner bescheidenen Meinung nach geht es in diesem Buch kaum um die Seehexe Ursula, sondern ab einem gewissen Punkt immer wieder um Prinzessin Tulips mysteriöse Nanny.

Ganz offensichtlich hatte sie in einem früheren Leben ihre Finger im Spiel, als Prinzessin Aurora zum schlafenden „Dornröschen“ wurde. Und immer wieder kommt die Sprache auf vergangene Konflikte mit Maleficent, der Dunklen Fee.

Gedanklich war ich ab einem gewissen Zeitpunkt gänzlich abgedriftet: Ob das nächste Buch sich wohl stark an der Realverfilmung mit Angelina Jolie orientiert oder ob Serena Valentino eine gänzlich andere Geschichte erzählt?

Unterm Strich war es ein kurzweiliges Lesevergnügen. Ein spannendes Jugendbuch, das sich binnen weniger Stunden an einem Stück durchlesen ließ. Diesmal werde ich hoffentlich nicht so lang warten, um mit dem nächsten Band fortzufahren!

Serena Valentino: Die Einsame im Meer. Erstmals 2016 erschienen, doch die deutsche Übersetzung erschien im Herbst 2019 im Carlsen Verlag.

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