Barrierefreie Märchen

Wenn es etwas gibt, das Kinder mehr lieben als Märchen vorgelesen zu bekommen, dann sind es frei erzählte Märchen. Selbst bei mir als Erwachsener machen solche Schauspiele ordentlich Eindruck! Wie gern erinnere ich mich zurück an die Märchenhafte Fachtagung (28.-30. Juni 2019), als die Welt noch in Ordnung war und Kerstin Tümmel uns Tagungsgäste mit spannenden Geschichten durch den Kurpark Bad Oeynhausen führte…

Apropos. Einige Jahre lang war ich in meiner Gemeindebibliothek ehrenamtliche Vorleserin für Vorschulkinder. Daher weiß ich aus eigener Erfahrung, dass auch ein Bilderbuchkino bei schummrigem Licht Kinder wie Erwachsene gleichermaßen in den Bann ziehen kann – was an der Reizüberflutung im Alltag liegen mag, da man ausnahmsweise statische Bilder und nichts weiter als die Stimme des Vorlesers vernimmt.

Doch es gibt auch Kinder und Jugendliche, denen die Freude an einem vorgelesenen oder frei erzählten Märchen nicht vergönnt oder aber stark eingeschränkt ist. Beispielsweise Gehörlose, kognitiv Beeinträchtigte oder aber Kinder mit frischer Zuwanderungsgeschichte und nur geringen Deutschkenntnissen. Damit auch sie in den Genuss phantastischer Welten kommen können, gibt es inzwischen „barrierefreie Märchen“.

Beispielsweise beim NDR kann man die beliebtesten Grimmschen Märchen barrierefrei genießen, nämlich als Märchen in leichter Sprache zum Anhören und Mitlesen oder als Märchen in Gebärdensprache zum Anschauen. Angeboten werden dort: Rotkäppchen, Schneewittchen und die 7 Zwerge, Rapunzel, Dornröschen, Die Bremer Stadtmusikanten, Der Wolf und die 7 Geißlein, Der Hase und der Igel, Rumpelstilzchen, Hänsel und Gretel, Frau Holle, Die 3 Federn, Des Teufels rußiger Bruder.

Wer die Grimmschen Märchen kennt und beispielsweise Schweizerische Märchen barrierefrei bestaunen möchte, findet bei der Mutabor Märchenstiftung weitere Märchen in Gebärdensprache. Angeboten werden dort: Stiefelchen, Die zwei Wiesenmäuse, Die Königstochter in der Flammenburg, Die Heckentür, Die Geschichte eines Königs.

Zwei großartige Initiativen, die unterhalten UND zur Allgemeinbildung beitragen!

Während das NDR-Projekt als Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus deutschen Steuergelder finanziert wurde, ist das Kooperationsprojekt zwischen der Mutabor Märchenstiftung und ausgefuchst.ch, dem Portal für die schweizerische Gebärdensprache, durch großzügige Spenden finanziert.

Kleiner Exkurs am Rande:

Wer die Gebärdensprache lernen möchte, muss wissen, dass Gehörlose international unterschiedlich kommunizieren und es sogar Dialekte innerhalb der nationalen Gebärdensprachen gibt. Für den deutschsprachigen Raum empfehlen sich die Internetseiten www.gebaerdenlernen.de (Deutschland), www.oeglb.at/gebaerdensprache/ (Österreich) und www.ausgefuchst.ch (Schweiz), um Gebärden kennenzulernen oder gar zu lernen. Viel Spaß beim Entdecken 🙂

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