Serena Valentinos „Das Geheimnis der Dunklen Fee“

Die Dunkle Fee wandelt wie ein Schatten durch die Welt. Privates Bild.

Wie sähe eine Welt aus, in der Frauen die diplomatischen Geschicke lenken? In der Disney-Welt von Serena Valentino würden sie jedenfalls pompöse Kleider tragen, allesamt makellos aussehen und Tee aus niedlichen Täschchen schlürfen. Ist das nun die Fantasie einer einzelnen Autorin oder der Traum aller Schulmädchen?

In der Disney-Villains-Reihe geht es um den „Sündenfall“ einzelner Charaktere, also die sonst unerzählte Geschichte der Antagonisten. Nachdem Schneewittchens böse Stiefmutter vom eigenen Vater seelisch misshandelt wurde, später der schöne Prinz sich aufgrund seines Hochmuts in ein Biest verwandelte und die Seehexe Ursula von ihrem Bruder Triton verbannt und verraten wurde, besteht das „Geheimnis der Dunklen Fee“ nicht darin, dass sie schon früh ein Mobbing-Opfer war. Sondern aus ihrer Motivation, mit allen Mitteln Prinzessin Auroras Tod herbeiführen zu wollen. Soviel vorab: Stumpfe Rache für eine ausgebliebene Einladung ist es nicht!

Zugegeben, das erste Buch der Reihe hat mich noch beeindruckt und arg mitgenommen. Seither hat die Hintergrundhandlung einen gewaltigen Zeitsprung unternommen und sich verselbständigt. Die eigentlichen Disney-Bösewichte sind lediglich schmückendes Beiwerk in einer mehrteiligen Geschichte, die sich wie ein Krimi liest: Sie zeichnet den Werdegang der drei „verdrehten Schwestern“ nach. Wann haben die Drillinge den Verstand verloren und begannen „unhappy endings“ herbeizuführen?

Wo immer die puppenartigen Schwestern auftauchen, herrschen Prunk und Perfektion. Außerdem werden zuverlässig rosafarbene Cupcakes, Scones und sonstiges Gebäck serviert. Ständig wird Tee aufgetragen. Und nebenher mit einer geradezu befremdlichen Seelenruhe die Politik aller Königreiche verhandelt.

Obwohl diese Romane eine andere als die heile Welt der Disneyfilme zeigen wollten, bleibt es eigenartig steril und kitschig. Anstatt das Gut-Böse-Schema zu verkomplizieren, wird es fortgesetzt, wenn auch mit anderen oder gar neuen Figuren. Es bleibt ähnlich entrückt, so wie man es aus den Trickfilmen kennt. Dazu bleibt das Ende stets vorhersehbar, da die Geschichte sich in allen Büchern streng an der Trickfilmhandlung orientiert und lediglich die Passagen dazwischen ausgeschmückt werden.

Von mal zu mal lassen mich die Romane unzufriedener zurück. Nur kommt aufgeben nicht in Frage! Zwei Bände warten noch darauf gelesen zu werden und vier weitere sollen in den kommenden Jahren erscheinen. Da bleibt wohl nur: Abwarten und Tee trinken.

Serena Valentino: Das Geheimnis der Dunklen Fee. Erschienen 2020 im Carlsen Verlag.

KEINE Werbung, es handelt sich um ein selbstgekauftes Buch!

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