Die Grausamkeit der Märchen

Advent und Weihnachten bedeutet hierzulande Märchenzeit. Doch alle Jahre wieder kommen die unwissenden Miesepeter, die vor der „Grausamkeit“ und „Blutrünstigkeit“ der Märchen warnen. Manche Zeitgenossen würden sie wohl am liebsten ganz verbieten…

Nehmen wir Constantin Flemminga Beitrag für Vodafone Deutschland vom 21. Dezember 2020: Horror pur – so grausam sind die Disney-Märchen in Wirklichkeit. Anhand von Rotkäppchen, Cinderella, Schneewittchen, Arielle und Rapunzel erzählt Flemming nach, welche furchterregenden Motive eben NICHT in den Disney-Verfilmungen vorkamen – Rotkäppchen hatte wohl die schlimmsten Alpträume übertroffen! Dazu heißt es im Text oberlehrerhaft: „Wir verraten Dir, welche Märchen Du Deinen Kindern lieber nicht vorlesen solltest.“

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Und wenn Eltern entscheiden dürfen, ob ihre Kinder den Religionsunterricht besuchen, warum dann nicht auch über die Inhalte ihrer Allgemeinbildung?

Das war natürlich eine rhetorische Frage… Es gibt noch weitere Gründe FÜR die Märchenklassiker sowie FÜR deren „Grausamkeit“.

Erstens regen Märchen die Fantasie an. Ob malen, basteln oder Geschichten erfinden: Kinder mit einer ausgeprägten Fantasie sind meist besonders intelligent und finden schneller Lösungen für die Herausforderungen des Lebens.

Zweitens vermitteln Märchen Zuversicht, denn sie handeln vom Sieg des Guten über das Böse. Indem das absolut Böse hart bestraft oder gar vernichtet wird, bleibt die Botschaft länger im Gedächtnis als eine platte „Moral am Ende der Geschicht'“.

Drittens ist das Argument von der Grausamkeit (wahlweise vom Sexismus) der Märchen ein alter Hut. Es ist unklar, warum es in regelmäßigen Abständen wiederkehrt, wo doch der US-amerikanische Kinderpsychologe Bruno Bettelheim vor nunmehr 50 Jahren alle Einwände ad absurdum führte. Das Grundlagenwerk, das den Bücherschrank sämtlicher Profi- und Pseudo-Pädagogen zieren sollte, trägt den Titel: „Kinder brauchen Märchen“ (The uses of enchantment).

Und nun? Die Märchengegner wird es wohl auch in Zukunft geben. Da hilft nur leidenschaftliche und hartnäckige Aufklärungsarbeit!

2 Kommentare zu „Die Grausamkeit der Märchen

  1. Die “Grausamkeit” der Märchen ist nicht das Ausschlaggebende für ein Kind, sondern das Gute, das das Böse besiegt, die Gerechtigkeit. Das ist auch meine Meinung.Jedenfalls war es so für mich als Kind. Ich kann mich nicht daran erinnern, von Märchen Albträume bekommen zu haben oder dass sie mir Angst gemacht hätten.

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